Willkommen zur „Kunst der Liquidierung: Teil IV“. In den letzten Folgen haben wir gelernt, wie verschiedene Börsen extrem große Liquidierungen handhaben, die mitunter marktgefährdend sind. OKEx und Poloniex sozialisieren die Verluste, Bitmex hat einen Insurance-Fund der aufgrund seiner schieren Größe selbst systemrelevant geworden ist. Welchen Ansatz verfolgt Kraken?

 

Maintenance Margin auf Kraken

Schauen wir nun auf das Liquidierungsmodell der Börse „Kraken“. Anders als bei den vorherig untersuchten Börsen hat Kraken kein P2P-Marginmodell. Es sind nicht andere Nutzer welche die Funds leihen sondern Kraken selbst. Sollte der Maintenancemargin unter 40% fallen wird die Position automatisch liquidiert. Ab 80% gibt es einen Margin Call und Kraken behält sich in extremen Marktsituationen vor, bereits unter 80% zu liquidieren. Solche Extremsituationen wären zum Beispiel massive Volatilität, welche auf dem Kryptomarkt nicht unüblich ist. Da Kraken die Funds selbst zur Verfügung stellt und auch dafür gerade stehen muss, ist es verständlich, dass sie ein tightes Maintenancemarginsystem fahren. Ansonsten wären große Liquidierungen für Kraken selbst systemrelevant.

 

Das Instant Margining System

Das Risiko für gehebelte Futures auf der Plattform wird gemanaged via dem sogenannten „Forced Liquidation“ Prozess im „Instant Margining System„. Sollte nun also eine extrem große Position liquidiert werden, welche die Oderbücher sprengt, eine sogenannte „Unfilled Liquidation“ passiert das folgende: Die Unfilled Liquidation wird an die „Liquidity Provider“ übergeben. Das sind Marktetmaker die praktisch unlimitiert liquide sind und so Liquidierungen in jeder Größe handhaben können. Das ist ein Notfallmechaismus, der erst einsetzt, nachdem die Orderbücher geleert sind. Laut Kraken findet soetwas durchschnittlich alle 10.000 Stunden statt, also seltener als ein mal im Jahr (etwa alle 420 Tage).

 

Fazit

Wir sehen also Kraken ist nicht wie andere Plattformen als P2P organisiert. Es stellt das Leverage zur Verfügung und handlet große Liquidierungen mit extrem liquiden Marketmakern. Vermutlich würde Kraken selbst ein Limit auf Positionen setzen, die selbst diese extreme Liquidiät überschreiten würden, aber das wären wohl extrem hohe (vermutlich mindestens acht- oder neunstellige) Summen.

Man könnte das Modell Kraken im Gegensatz zu den anderen Börsen, als zentralisierte Liquidierung kategorisieren.

 

Bildquelle: ElinorD assumed CC BY-SA 3.0