In den letzten beiden Episoden haben wir gelernt, dass manche Börsen große Liquidationsverluste, welche die Börse als solche gefährden würden, gerne sozialisieren. Die Trader auf der Börse nehmen einen Haircut hin und so wird der Verlust von vielen Schultern getragen und die Börse kann weiter operieren. Das funktioniert, aber es ist nicht fair. Nutzer die den Verlust nicht verursacht haben müssen dafür gerade stehen. Es erinnert an den Bailout 2008. Dort musste der Steuerzahler einspringen, um systemrelevante Banken die sich verspekuliert hatten zu retten – mit hunderten Milliarden an Euro und Dollar.

 

Der BitMex-Insurance-Fund

Nun gibt es Börsen, die sich auf diesen Tag vorbereiten. Mit Hilfe eines „Insurance-Funds“, eines Ausfallversicherungfonds. Sollten hochgehebelte Trades, welche alle Orderbücher sprengen, liquidiert werden, wird der Versicherungsfond ausgelöst. Das verhindert, dass die Liquidationsverluste das System gefährden.

Wenn der Versicherungsfond allerdings immer weiter wächst und wächst kann es sein, dass er selbst irgendwann eine systemrelevante Größe erreicht. Sollte z.B. die Börse geschlossen oder gehacked werden und der Fund auf den Markt kommen, würde das einen Crash epochalen Ausmaßes bedeuten.

Der Insurance-Fund der Futures-Börse BitMex ist so ein Fall. Er hält inzwischen 0,15% aller Bitcoins mit einem Gegenwert von 232 Millionen Dollar. Der Fund wäre inzwischen Platz 33 auf der Liste der Halter mit den meisten Bitcoins (Platz 1 Satoshi Nakamoto mit etwa 900k Bitcoins, Platz zwei – das FBI mit etwas unter 150k Bitcoins). Eine derartige Konzentration ist immer systemrelevant.

 

Der BitMex-Tradingdesk

Doch die Größe des Fund ist nicht das einzige Problem. BitMex unterhält einen eigenen Tradingdesk. BitMex tradet also gegen seine eigenen Kunden. Und hat natürlich einen Informationsvorsprung, weil sie als Betreiber der Börsen jede Order sehen und genau den Liquidierungspunkt jeder einzelnen Order kennen. Sie wissen immer exakt wieviel Kapital sie brauchen, um den preis in dieses Liquidierungscluster bewegen zu können. Das Geld fließt aus der Liquidierung in den Fond (wenn der Bid/Ask-Spread geringer ist als der Maintenance-Margin einer gehebelten Position). BitMex hat also ein Motiv seine Kunden zu liquidieren.

Doch das ist nicht alles.

 

Order Submission Errors

Jeder der auf BitMex tradet kennt die gefürchteten Order Submission Errors. Wird der Preis plötzlich sehr volatil, macht die Engine zu und man kann keine Orders mehr platzieren. BitMex ist ein Multimilliarden-Dollar-Unternehmen, man sollte meinen, dass sie in der Lage sein sollten eine Engine zu bauen, welches auch unter Hochlast funktioniert. Und deshalb behaupten böse Zungen natürlich, die Order Submission Errors seien kein Bug sondern ein Feature. Weil sie dem BitMex-Tradingdesk (und eventuellen Premiumkunden) einen Zeitvorteil geben würden, in der sie in aller Ruhe ihre Orders platzieren können, während alle anderen Trader in die Röhre schauen.

 

Fazit

Der Fakt, dass BitMex gegen seine eigenen Kunden tradet ist mehr als nur bedenklich, es ist hoch unethisches Verhalten. Und ein systemrelevanter Insurance-Fund und ein Team mit fraglichen ethischen Standards ist eine Gefahr für den Markt.

 

 

Die anderen Artikel aus „Die Kunst der Liquidierung“

Die Kunst der Liquidierung: Teil I – Der OKEx-Wal

Die Kunst der Liquidierung: Teil II – Die Polo-Clam-Chowder

 

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