Auf Börsen die Trading auf Margin ermöglichen kommt es zu Liquidierungen. Wenn ein Trader mit zehnfach Leverage arbeitet und sich der Preis zehn Prozent gegen ihn entwickelt, wird die Position liquidiert. Nun operieren derartige Börsen nach dem Peer-to-Peer-Prinzip. Das heißt, dass nicht die Börse die Funds für das gehebelte Trading zur Verfügung stellt, sondern die anderen Trader. Wird eine gehebelte Position also liquidiert, wird der Margin den der Trader hinterlegt hat benutzt, um seine „Gläubiger“ auszuzahlen. War es eine Long-Position wird die Position automatisch Market-Sold und vice-versa. Nun kommt es hin und wieder dazu, dass sich ein Wal im Karpfenteich tummelt und riesige Positionen entstehen die – im Falle eine Liquidierung – alle Orderbücher sprengen. Das ist ein Problem und stellt ein enormes Risiko für den Markt dar.

 

Der OKEx-Wal

August 2018 gab es einen solchen Fall. Auf der Spot- und Derivatbörse OKEx tummelte sich ein solcher Wal. Am 31. Juli 2018 klingelte das Risikomanagment-Alarmsystem, weil dieser Wal eine massive Long-Position eröffnet hatte. Über 4 Millionen Contracts führten dazu, dass das Risikomanagmentteam von OKEx den anonymen Trader aufforderte, die Position zumindest teilweise zu schließen, um das Risiko für den Markt zu begrenzen. Der Trader weigerte sich und das führte dazu, dass OKEx die Position einfror. Kurze Zeit später begann Bitcoin abzustürzen und die Position musste liquidiert werden.

OKEx injizierte sofort 2500 Bitcoin (etwa 18,5 Millionen Dollar zu dem Zeitpunkt) in einen Versicherungsfond, um die Verluste zumindest teilweise aufzufangen. Da der OKEx-Fond aber nicht ausreichte, um die Position voll zu decken, wurde das hauseigene „Claw Back System“ ausgelöst.

 

Sozialisierte Verluste

Das heißt, alle Verluste, die nicht durch den Versicherungsfond getragen werden, wurden „sozialisiert“. Der ausstehende Betrag wurde von den unrealisierten Profiten aller offenen Short-Positionen eingetrieben. In diesem Fall mussten alle Short-Positionen 18% abdrücken.

Dieses System ist offensichtlich alles andere als ideal und führt dazu, dass manche Börsen ihren Versicherungsfond enorm aufblähen. Das bringt natürlich wieder andere Probleme mit sich. Dazu mehr in „Die Kunst der Liquidierung: Teil II – Der BitMex-Versicherungsfond“.

 

Addendum

Diese Sozialisierung von Verlusten erinnert stark an den Crash 2008, als auch die Verluste der Hochfinanz großzügig sozialisiert wurden und von der Allgemeinheit getragen werden mussten. 2008 musste der Steuerzahler auf Erlass der Regierungen hunderte Milliarden Dollar für den Bailout der Banken zahlen musste. Die Gewinne und die Boni, welche die Hochfinanz über Jahrzehnte erschachert hat, durfte sie natürlich behalten.

 

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